Erlebnisse

Erfahrungen bei Hundemilitary

Mit meinen Hunden Benji und MyLord nehme ich oft und gerne an Militarys und Plauschparcours teil. Ich brauche dazu immer eine Begleitung, denn es wäre für Benji eine Überforderung, einerseits zu führen und andererseits die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Ausserdem erachte ich die Teilnahme auch für meinen Hund als Plausch und nicht als Arbeit, auch mein Hund freut sich über einen solchen Ausgleich zur Führarbeit.

Bei solchen Veranstaltungen mache ich die verschiedensten Erfahrungen. Sehr oft bekomme ich zu meiner grossen Freude an den Posten spontan Hilfe der Postenbetreuer, manchmal bekomme ich auch ein wenig mehr Zeit, um die gestellte Aufgabe zu erfüllen. Dies stellt für mich eine Gleichberechtigung dar, die mir das Gefühl der Integration gibt.

Ab und zu jedoch treffe ich auf absolutes Unverständnis. So wurde an einem Military in Belp CH die Aufgabe gestellt, den Hund in eine Art Schubkarren zu setzen und ihn durch einen Parcours zu manövrieren.

Die Postenbetreuerin verweigerte mir den Zutritt, es sei zu gefährlich für mich. Nun, ich nehme doch an, dass ich mit damals 37 Jahren alt genug bin, dies selber zu beurteilen.

Also hat meine sehende Kollegin meinen Hund durch den Parcours chauffiert, und dies ohne Fehler.
Gruppenfoto von verschiedenen Hunden anlässlich eines Militarys


Allerdings zog mir die Postenhelferin 5 Punkte ab mit der Begründung, ich hätte ja Hilfe gebraucht. Eine solche Behandlung ist nicht fair, sie ist sogar diskriminierend. Es versteht sich von selbst, dass ich dieses Military nicht mehr besuchen werde.

Im Frühjahr 01 haben wir, 4 sehende und 2 sehbehinderte Personen, gemeinsam an einem Military in Rubigen CH teilgenommen.

Das Gruppenfoto entstand nach dem Parcours. Die hübsche Weisse Schäferhündin Dinka, welche im Vordergrund sitzt, hätte auch ein Führhund werden sollen. Sie zeigte mir jedoch schon im Alter von 5 Monaten, dass ihr Weg in eine andere Richtung gehen wird. Sie hat bei Carola Vilorio einen tollen Lebensplatz gefunden und ist bei ihr seit dem 6.8.98 glücklich als Begleiterin und Agilitykameradin.



Merlins erster Besuch im Bundeshaus

Mein Herrchen arbeitet als Journalist für ein Lokalradio in Bern. So muss er auch regelmässig ins Bundeshaus.
An einem schönen Septembernachmittag machten wir uns also auf den weg in dieses grosse Gebäude. Beim Eingang hielten uns einige Herren auf. Das seien Sicherheitsbeamte, erklärte mir mein Herrchen. Da ich ja an allen Menschen eine Riesenfreude habe, wedelte ich auch diesen Herren freudig zu.

Ich versuchte, in ihre ernsten Gesichter etwas Freude zu bringen, was mir natürlich auch gelang. Weiter ging es dann hinein und über einen schönen roten Teppich. Man stelle sich dieses Bild vor, ich auf diesem roten Teppich, gibt es wohl eine passendere Farbkombination?

Unser Ziel war die sogenannte Pressetribüne. Dort gibt es so kleine Tischchen. Nun, von meinem Platz aus konnte ich ja nicht viel sehen, also stellte ich meine Vorderpfoten auf besagtes Tischchen und schaute aufmerksam in den Nationalratssaal. Und meine Freude war gross, lächelten mir doch einige dieser ernst dreinblickenden Menschen dort unten nett zu.

Merlin gibt Bundesrätin Ruth Metzler seine Pfote Bei einem der inzwischen zahlreichen Besuche im Bundeshaus lernte ich Frau Bundesrätin
Ruth Metzler kennen.

 

Die magische Anziehung des Blindenführhundes auf die Mitmenschen

Ich frage mich sehr oft, was wohl die magische Anziehung des Führhundes auf die Mitmenschen ausmacht. Ist es die Faszination seiner Leistung, seine Schönheit oder gar etwa die Tatsache, dass der Zweibeiner am anderen Ende des Führbügels es ja nicht sehen kann wenn...?

Obwohl seit Jahrzehnten immer wieder propagiert wird, dass ein Führhund bei seiner Arbeit nicht abgelenkt werden darf, erlebe ich fast täglich, dass sich irgendwelche fremde Hände im Pelz meiner Hunde vergraben, ohne meine Einwilligung versteht sich.
Liegt es denn nicht auf der Hand, dass ein Führhund, wie jedes Lebewesen inkl. Mensch, sich auf seine Aufgaben konzentrieren muss?

Ganz schlimm ist es jeweils im Zug. Ich gebe meinem Hund das Kommando, mich durch den Waggon zu führen, und schon stürmen die Leute von links oder rechts auf ihn zu, schmalzende Geräusche, streichelnde Hände versuchen ihn heranzulocken. Als menschenfreundlicher Hund ist er lieben Worten natürlich nicht abgeneigt, aber ich muss ihn dann wieder an seine Aufgabe erinnern, ihn also korrigieren. Wäre es da nicht fairer, man würde den Führhund in Ruhe arbeiten lassen?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es Mitmenschen gibt, die einen Führhund als eine Art Allgemeingut betrachten. Unsere Hunde sind dies mit Sicherheit nicht. Wir haben unsere Collies selber gekauft und tragen alleine die Verantwortung für sie. Da wir von keiner Seite finanzielle Unterstützung für unsere vierbeinigen Helfer bekommen, dürfen wir mit Recht sagen, dies sind unsere Hunde und wir wünschen nicht, dass sie von allen möglichen und unmöglichen Leuten abgegrabscht und angequatscht werden.

Selbstverständlich sind wir jederzeit offen für ein Gespräch, da werden aber WIR angesprochen und nicht unsere Hunde. Auch wenn wir unsere Augen kaum oder gar nicht nutzen können, so funktionieren unsere Ohren eigentlich sehr gut.

 

MyLords Gedanken im Wartesaal

Man stelle sich folgende Situation vor: Mein Frauchen wurde für einen Schulklassenbesuch nach Olten bestellt. Eigentlich hätten wir dort abgeholt werden sollen, aber es kam niemand. Da wir natürlich nicht nach 5 Minuten schon die Geduld verlieren, mein Frauchen aber zu frieren begann, führte uns mein Freund Benji in den Wartesaal auf dem Perron.

Es ist ja sehr komisch, was man da zu sehen und zu hören bekommt. Erst wird es mal totenstill, wenn wir Drei so einen Wartesaal betreten, und dann gaffen uns die Leute richtig an. Klar, wir sind sehr schöne Hunde, aber ob das wirklich der Grund ist? Nun, unser Frauchen kann ja die Blicke nicht sehen, aber ich bin sicher, sie spührt sie so gut wie wir sie sehen.

Aber den Leuten scheint dies nicht klar zu sein. Ich meinerseits scheue mich in einer solchen Situation gar nicht, den Menschen direkt in die Augen zu schauen. Und so wenden sie dann so nach und nach die Blicke wieder ab. Aber still bleiben sie. Eigentlich hätten die Menschen doch Sprachen, mit denen sie sich unterhalten könnten.

Die Wartezeit würde viel schneller vergehen und jeder könnte doch wieder was mitnehmen an Ausgetauschtem. Nein, es bleibt still, oder vielmehr, es ist eben nicht still. Einer nestelt irgendwas in seiner Tasche rum, eine andere Person hüstelt verhalten, da links sitzt jemand, der ununterbrochen in eine Knabbertüte greift und dann genüsslich kaut, und dies, ohne mir was abzugeben.


Mir macht es Spass, die Menschen in einer solchen Situation zu studieren, aber ich kann nicht verstehen, warum das Rudeltier Mensch sich in einem Wartesaal derart isoliert.

Aber vielleicht weißt Du liebe Leserin, lieber Leser, darauf eine Antwort. So schreib sie doch in unser Gästebuch, dies würde mich sehr freuen.

Euer MyLord

 

Gefunden und wieder verloren
Ein Nachruf für meinen Onkel Rusty

Rusty mit seinem Frauchen Ende 2002 bekam mein Frauchen ein Mail aus Deutschland. Eine Frau interessierte sich für einen Erfahrungsaustausch, da sie auch einen Collie als Blindenführhund habe. Klar war mein Frauchen sehr erfreut und schrieb gleich zurück.

So flogen viele Mails zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her. Und wir erfuhren immer mehr von Rusty, wie ich ein Tricolor-Rüde. Unsere Frauchens entdeckten viele Gemeinsamkeiten an uns Hunden und schliesslich wurden auch unsere Abstammungspapiere verglichen. Und siehe da, Rusty war mein Onkel.

Die Freude über den gefundenen Onkel, der überdies noch im gleichen Hundeberuf tätig ist, war riesig. Doch wie traurig machte es uns alle, dass mein Onkel Rusty sehr krank war. Wir hofften alle, dass er noch möglichst lange bei uns sein kann, doch war uns dies nicht vergönnt.

 

Am 2.5.03 schlief mein Onkel Rusty ein. Es bleibt nur der kleine Trost, dass er jetzt von seinem Leiden erlöst ist.

Auf Wiedersehn Rusty.
Dein Neffe Benji



Vierwaldstättersee

Mylord - Ausblick vom Schiff Mein Fraui sagt immer, dass ein guter Führhund auch alle Verkehrsmittel benutzen können muss. Und so gehört zu meinem Training auch das Schifffahren.

Wie mache ich mich als Schiffsboy?
Euer MyLord auf dem Vierwaldstättersee